Québec

 

17.August 2015

Neineinein, ich bin ja noch in Ontario… Aber ein bisschen war ich schon in Quebec, vorgestern, als mir google maps die Route durch Quebec nach Constance Bay empfohlen hat. Aber Modellstehen an der Grenze gibt es nur bei ersten Mal. Und die Straßen sind besser. Und es gibt La Route Verte, ein Radwanderwege – Netz, das ich gleich mal 30 km lang ausprobiert habe.

Rechts gehts los

Rechts gehts los

Und so sieht es später aus.

Und so sieht es später aus.

Wobei ich dann halbnackt durch einen überschau-  aber nicht umfahrbaren Regenguss radelte und mir das Rad mit dem dämlichen Feinsplitt vollsaute. Der klebt nämlich nass an den Reifen und wird dann gegen alles andere geschleudert.

Und ich war natürlich neugierig, ob sich Quebec anders „anfühlt“. Jein. Also natürlich ist hier alles zuerst französisch beschriftet und erst zweitens auf Englisch. OK, aber die wenigen Leute, die ich sprach, sprachen alle Englisch. Und nicht Frenglisch. Vielleicht war es eine angloquebekkische Ecke. Gibt es umgehrt auch, Fankontarier oder so … Und das Französich hier klingt gar nicht französich! Isch bin enttöscht…! (Ich soll mal nicht so angeben, sagt mein Gewissen, wo ich doch nur touristisches Behelfs-Farnzösisch kann…) Und wenn Orte Strawville oder Hull heißen, dann weiß ich überhaupt nicht mehr, welche Sprache das jetzt sein soll. Üll oder Hall?

Natur pur an der Route Verte

Natur pur an der Route Verte

So, jetzt bitte erst Ontario zuende lesen. Montreal usw. kommt erst in ein paar Tagen. Hier.

23. August 2015

Montreal liegt hinter mir. Aber der Weg da hin war kräftezehrend! Ich startete relativ früh, so um 8.50 Uhr, denn es sollte etwas gewittig werden, heiß und windig, Seitenwind, Gegenwind – alles dabei. Ein Tag wie in den Tropen. Irgendwann fiel mir unterwegs ein, doch mal nachzuschauen, ob es da keine Vorortzüge im Nahverkehr gibt und ich die 126 angekündigten km mal so um ein Drittel kürzen kann. Tatsächlich, da war was auf der Landkarte, so etwa ab Vaudreuil und ich änderte meine Strecke.
Ließ mir mehr Zeit, fuhr fälschlich mit einer Fähre, also wieder zurück.  Kaufte noch eine Flasche Wein für meine Gastgeberin Jackie und radelte der Wegweisung folgend zum Bahnhof. Mehr nur ein Bahnsteig. Aber naja. Ab sofort ist alles nur noch französisch ausgeschildert und keine Gnade mehr mit Anglokanadiern oder Ausländern, die vergessen haben diese Weltsprache ordentlich zu lernen. Wie auch immer, auf dem letzten Muffin herumkauend dämmerte mir, dass der nächste Zug nach Montreal erst in drei Stunden fahren würde. Um 19.55 Uhr. Na prima. Inzwischen waren aber schon drei Züge AUS Montreal angekommen. Wo sie die wohl alle lassen?  Wie auch immer, ich rief Jackie an und schilderte den Fall, es waren noch 48 km bis zu ihr, und ich würde wohl relativ spät kommen, denn wir beide waren der Ansicht, dass auf den Zug zu warten wenig Sinn macht. Ich gab ihr den Link zu meiner Spotme-Seite (hier im Menü), so dass sie immer im Bilde sein konnte, wo ich gerade bin. Es machteaber auch keinen Sinn, die 48 km mal eben durch 20 km/h zu teilen und zu glauben, man wäre so dann eher am Ziel als der Zug, der ja auch noch eine Stunde brauchte.  Denn … es wird jetzt hier so gegen 20 Uhr dunkel. Und ich kenne kenne mich nicht aus. Mein liebes Fonepad mit Frau Googlemaps unvergleichlicher Stimme „Folgen Sie der Err U E (so!) Marcel … für  weitere 2 komma 3 km“ leistete mir zwar schon gute Dienste, hatte aber nur noch 40% Strom und kann nicht so lange durchhalten, selbst wenn ich versuche während der Fahrt nachzuladen. Mein Garmin dagegen kennt immer keine Radrouten und will mich auf nicht mehr existierende Straßen zwingen! Schwierige Lage. Ich begann mit Frau Googlemap und switchte dann zu Garmin, der mich dann doch in eine radverkehrsvebotene Auffahrt und in eine Pakplatzfalle lenken wollte. Irgendwie fand ich immer wieder raus. Weiter ging es, es wurde dunkler und dunkler, ich hatte keine Richtungsorientierung mehr, der heiße Wind schoss böig aus Lücken zwischen den Häusern hervor. Ich schwitze wie ein Vieh und die warme Brühe in meinen Wasserflaschen löschte den Durst kaum noch. Slalomfahren um Schlaglöcher, tiefer liegende Gullydeckel. Ständige Zwangsstopps an Ampeln. Stoppschilder, die sinnlos Straßen zu Hindernisstrecken machten, ignorierte ich zunehmend.
Endlich … die ersten Wolkenkratzer nach endlosen Vorstadtsiedlungen. Noch 1,9 km …. aber die Rue du Fort geht von dieser Straße ab, also Zähne zusammengebissen und Endspurt, da .. das Haus muss es sein! Jackie steht schon unten, sie hatte meine Irrfahrt ja am PC verfolgt, um mir beim Hochtragen der Sachen und des Fahrrads über die engen Stiegen ihres Altstadthauses zu helfen. Das Essen war noch lauwarm, der Wein inzwischen auch. 137 km! Google kann mal wieder nicht rechnen. Ich war K.O. aber aufgekratzt.

So weit für heute. Bilder gibt es auch.

Das ist Jackie auf ihrem Balkon

Das ist Jackie auf ihrem Balkon. Sie hat nicht nur Kanada koplett durchquert, sondern vorher auch noch Kalifornien der Länge nach, zusammen 10.000 km in fünf Monaten. Und sie kocht gut und phantasievoll.

Hochhäuser sind selten gut zu fotografieren. Ausschnitte oft intressanter.

Hochhäuser sind selten gut zu fotografieren. Ausschnitte oft intressanter.

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Downtown Montreal ähnelt mit siner architektonischen Vielfalt ein wenig Manhattan.

Downtown Montreal ähnelt mit siner architektonischen Vielfalt ein wenig Manhattan.

Es gibt auch eine Altstadt mit Häusern aus dem 17.-19.Jahrhundert und Kopfsteinpflaster, bedrängt von Wolkenkratzern wirkt sie ein weing wie das Sammelsurium eines Antiquitätenladens.

Es gibt auch eine Altstadt mit Häusern aus dem 17.-19.Jahrhundert und Kopfsteinpflaster, bedrängt von Wolkenkratzern wirkt sie ein weing wie das Sammelsurium eines Antiquitätenladens.

Die Admiral Nelson Statue.

Die Admiral Nelson Statue.

Das Rathhaus

Das Rathaus

Vor dem Kunstmuseum

Vor dem Kunstmuseum

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Als Modedesigner parkt man sein Luxuxrad am besten gleich am Scheibtisch.

Als Modedesigner parkt man sein Luxuxrad am besten gleich am Scheibtisch.

Ganz oben im roten Haus wohnt Jackie. Auch diese Häuserzeile ist längst von riesigen neuen Häusern eingekreist.

Ganz oben im roten Haus wohnt Jackie. Auch diese Häuserzeile ist längst von riesigen neuen Häusern eingekreist.

26.August 2015

Sitze mal wieder bei meinem „besten Freund“ Tin Hortens wegen des WiFi (WLAN) und des geeisten Kaffees kurz vor Quebec City. Meine Gastgeberin ist erst in anderthalb Stunden erreichbar, also Zeit zu schreiben. Was ist Quebec? Im Vergleich zu anderen Provinzen fühle ich mich kaum noch wie in Kanada, sondern wie in einem Land, in dem alle französisch sprechen, ohne dass es so klingt wie Französisch (vorhin dachte ich, klingt irgendwie als wenn ein Sachse französisch spricht, als ich meinen Tischnachbarn hörte). Es ist wie ein Frankreich, in dem die Revolution nie stattgefunden hat. Alles wirkt sehr katholisch. Die wichtigste Straße heißt oft Rue Notre Dame, viele Orte beginnen mit Saint oder Sainte, ich fuhr Straßen entlang, die nach Päpsten oder Kardinälen benannt sind. Undenkbar in Frankreich. In den Orten dominieren hellgraue Kirchen, die Dächer mit Zinkblech gedeckt und bleistiftspitzen Türmen, die silbern in der Sonne strahlen. Manche haben ein großes Christus-Kreuz im Garten stehen, einmal sogar als Krönung des … Geschmacks mit Neonlicht umrahmt… Wie katholisch die Leute hier wirklich sind, weiß ich noch nicht. Religiös fühle ich mich eher wie in Polen oder Italien.

In den anderen Provinzen haben die Menschen kleine oder große Kanada-Fahne an Häusern oder Eingängen. Hier nicht. Hier regiert die weiße Flagge Quebecs mit dem blauen Kreuz und den Bourbonen-Lilien. Vive le Roi! Kanada-Fahnen gibt es nur an Häusern von Bundesinstitutionen. Viele sprechen kaum oder kein Englisch. Oder schlechter als ich. Mit der Frage, was die Kanadier eigentlich zusammenhält, die ich manchmal Gastgebern stelle, bin ich nicht weit gekommen. Und hier noch viel weniger. Denn die jeweilllige Provinz-Identität überwiegt scheinbar. Hier in Quebec am deutlichsten. Wie ein Bayern in Kanada.

Ich fahre am Sankt-Lorenz-Strom entlang. Die Ufer sind zu 99% in Privatbesitz. Einige wenige Stellen sind öffentlich zuugänglich und ermöglichen einen unverbauten Blick auf den Strom. Mal eben reinspringen und eine Runde im sommerllich erwärmten Wasser schwimmen gelang mir erst 130 km hinter Montreal, wo es dann sogar ein wenig Sandstrand gab. Überall Villen und andere mehr oder weniger teure Häuser. Der Stil oft  von den anderen Provinzen Neuenglands geprägt vornehm antiquiert und wie aus der Zeit gefallen.

P1040301TIm Hortons WiFi schwächelt mir zu sehr. In einigen Stunden gibt es (hoffentlich) mehr Bilder, bevor ich die imposante Stadt Quebec schildern werde.

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Nobel

Unwetter .. zum Glück ein Laden mit Vordach

Unwetter .. zum Glück ein Laden mit Vordach

Roman der Weltumradler. Ihn traf ich exact beim 7000. Kilometer

Roman der Weltumradler. Ihn traf ich exact beim 7000. Kilometer

Privat, betreten verboten

Privat, betreten verboten

Öffentlicher Zugang

Öffentlicher Zugang

2.September 2015, 21:31 Uhr

Es ist zum Verzweifeln, das ist jetzt der 3.Anlauf, hier etwas Interessantes zu schreiben. Jedes Mal, wenn ich mal eben was bei wikipedia nachsehe (und dazu dieses Fenster verlassen muss), damit ich keinen Unfug schreibe, ist hinterher der ganze Text weg. Es heißt Frontenac und nicht Fontenac, dieses Chateau (Hotel), das die gesamte nordamerikanisch einmalige Altstadt von Quebec City überragt. Das muss man doch mal nachschauen dürfen, ohne dass einem gleich sämtliche gelungenen Sätze entzogen werden! Ich schaue jetzt nichts mehr nach. Dann wirds eben dilletantisch. Mal sehen ob es mit Bildern besser geht.

Versuch

Versuch eines Schnappschusses der Akrobatikshow, zu der mich meine Gastgeberin Fabienne mitnahm. Im Vordergrund Bälle, in die sich die Darsteller immer mal todesmutig warfen, um dann an anderer Stelle wieder aufzutauchen. Rasante Choreografie!

Über allem tront das Chateau Frontenac. Weltkulturerbe ist das alles.

Über allem tront das Chateau Frontenac. Weltkulturerbe ist das alles.

Neuer Versuch am Morgen. Ja, hier gibt es eine „echte“ Altstadt, durch die Touristenmassen strömen. Also wem Europa zu weit ist, der kann hier etwas quasi europäische Altstadtatmosphäre schnuppern, ohne auf amerikanische Architekturzitate ganz verzichten zu müssen. Quebec City wirkt auf mich französischer als andere Städte hier. Bei einer Straße dachte ich sogar „könnte Potsdam sein“.

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Potsdam? Nein, Rue du Fort. In einem der Häuser wohnte ich. Von innen eine schicke Eigentumswohnung.

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Frontenac. Nicht Neu-Schwanstein.

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Man kommt an Frontenac nicht vorbei…

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Das hab ich mir nur von oben angesehen.

Ich bin immer wieder in solchen Touristenhochburgen in einem Zwiespalt. Einerseits möchte ich das Wichtigste gesehen haben, andererseits bin ich irgendwie überfordert. Dann kürze ich, „nee, muss ich nicht rein“. Und nach drei Stunden oder vier reicht es mir dann. Die Zitadelle habe ich zum Beispiel weggelassen. Bin schlecht im Mitschwimmen. Aber die Stadt pflegt ihre Geschichte, die ersten Kolonisatoren, Cartier und Champlain, werden sichtbar gewürdigt.

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Da ist er. Samuel de Champlain.

Und am nächsten Tag nahm ich die Fähre zum anderen Ufer.

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Mehr Rad- als Autofahrer auf der Fähre.

Weiter auf dem rechten Ufer, La Route Verte No. 1, eine der Radrouten, manchmal nur als Schild an der normalen Landstraße erkennbar, dann wieder ein ausgebauter Fahrradweg mit Mittelstreifen, wie überall, damit es keine Frontalzusammenstöße gibt. Und am Wochenende herrscht reger Verkehr. Ich habe herrlichen Rückenwind und … irgendwann 4 Kilometer vor dem Ziel des Tages meine 5. Reifenpanne, den 4.Platten entdeckte ich am Morgen, nachdem ich das Fahrrad beladen hatte. Also noch mal alles runter, reparieren und von vorn. Schwalbe Marathon Plus Tour hat mich ziemlich enttäuscht! Abends dann schaffte ich es mit 3x nachpumpen bis 1,5 km vor das Haus meines Gastgebers. Den Rest schob ich. Und intelligenterweise fragte der sofort, ob ich einen neuen Ersatzschlauch brauche. Natürlich! Denn dieser war nicht mehr flickbar.

Der Sankt-Lorenz-Strom wird jetzt immer breiter und bekommt Meeresformat mit Gezeiten und kaum noch sichtbarem anderen Ufer. Die Wassertemperatur auch. 17°C…

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Verfallender Charme. Typische Architektur in dieser Gegend.

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Aufgemotzter Charme. Urlaubergerecht. Die meisten Orte sind gut in Geschäft.

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Dienstags kommt die Müllabfuhr.Da müssen die Tonnen stramm stehen.

An manchen Tagen habe ich Probleme mich zu motivieren. Da lege ich mich dann mittags irgendwo neben mein Fahrrad auf eine Wiese und schlafe mal 10 Minuten. Irgendwie reicht es mir nach über 7000 km langsam. Aber ich muss noch 1000 km sinnvoll auf die letzten 18 Tage verteilen. An einem Ort kann ich nicht lange herumsitzen und zu kurze Etappen demotivieren erst recht. Ein echtes Dilemma, das ich mit Umwegen zu lösen versuche. Deswegen sitze ich jetzt auf dem Campingplatz von Sainte-Anne-des-Montes und nehme Abschied vom meeresbreiten (echt, über 100 km hier) Strom. Denn morgen gehts hoch in die Berge, sprich in den Nationalpark Gaspesie. Und das werden dann nur so 40 km, denn die ganze Strecke über die Halbinsel wären 140, das wäre mir zu viel. Dafür geht es 2/3 der Gesamtstrecke bergab und ohne Internet werde ich mich wohl erst aus New Brunswick wieder melden. Jetzt kommen die kleinen „Maritims“, wie die Atlantikprovinzen genannt werden.

7 Antworten zu “Québec

  1. Hi, Weltenbummler,

    der „verfallende Charme“ erinnert mich an die Kulisse für Scarlett und Rhett („Vom Winde verweht“) – Südstaatencharme halt . . .
    best nightwishes from Rüsselsheim (bin noch drei Stunden bei meinem Papa) 😉

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  2. Hallo Felix, könnte es helfen, den Text in einem simplen Editor (notfalls im eigenen Mailprogramm, wenn es Entwürfe speichern kann) zu verfassen, und ihn anschließend in die Seite hier zu kopieren?
    Helm auf bei weiteren Widrigkeiten, welcher Art auch immer wünscht Dir
    Tom

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  3. Ist Straßenbemalung die kanadische Methode zur Verkehrsberuhigung – indem die Sinne des Autofahrers verwirrt werden?
    Auf spannende Geschichten und kreative Bilder freut sich weiterhin
    tom

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